Beziehung Rollifahrer/in - "Fußgänger/in"

Einsam, zweisam, dreisam. Hier gibt es die Möglichkeit, sich über das gemeinsame Leben auszutauschen
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ElektrixChair
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Beziehung Rollifahrer/in - "Fußgänger/in"

Beitrag von ElektrixChair » Dienstag 2. Juli 2019, 12:37

Hallo,

ich bin 20 und seit nunmehr 2 1/2 Jahren in dieselbe verliebt, seit 1 1/2 Jahren spreche ich sogar direkt von Liebe. Ich sitz mit ICP-bedingter Tetraspastik im Rollstuhl. Sie ist nur wenige Stunden jünger als ich und kann laufen, ihre Schwerbehinderung wurde aberkannt, sie weiß nicht mal was das gewesen sein soll (ist also für meine Begriffe ohne Handicap). Da wir uns gut verstehen, einander vertrauen und sie auch sonst immer mal wieder durchblitzen lässt dass ich für sie auch mehr als ein guter Freund bin, haben wir vor einem Jahr mal gewagt, den Schritt weiter und sozusagen "offiziell miteinander zu gehen". Lange gehalten hat das nicht, da es meine erste Beziehung war und ich aus Angst Fehler zu machen so ziemlich jeden um Rat fragte.

Mein Vater, dem ich eigentlich als einzigem wirklich vertraue, hat mir schon des öfteren ans Herz gelegt, mir doch eine Freundin mit ähnlichem Einschränkungsbild zu suchen. Also bin ich, gerade in Sachen Sexualität, lieber zu gleichalterigen und habe dort gefragt. Das daraus entstehende Gelaber hat letztlich sie dazu veranlasst Schluss zu machen.

Nach einigen Monaten Funkstille nähern wir uns zurzeit langsam wieder einander an, und meine damit verbundenen Gefühle, Gedanken und Wünsche (unter anderem der, mit ihr intim zu werden) brechen wieder auf. Ihr gegenüber gehe ich offen damit um, was in mir vorgeht, sie behandelt das ganze auch grundsätzlich sehr ernsthaft und respektvoll. Allerdings haben wir beide noch keine Erfahrungen damit gemacht, sind also auch mit dem ganzen Drumrum, insbesondere Verhütung und ähnliches, noch auf vertrauensvolle Beratung angewiesen, da ich ja trotz der vorhandenen Theorie aus Schule und Internet in der Praxis ihre Hilfe brauche.

Meinem Vater scheint es die komfortabelste Lösung zu sein mich zu bitten ihn noch nicht Opa werden zu lassen und bei der fehlenden "Ausstattung" dann auf "Verzicht aus Angst" zu setzen, was bisher auch funktioniert hat. Ich traue mich auch nicht, sie direkt um entsprechende Besorgungen zu bitten, da sie glaub ich mindestens gleich ratlos in der Drogerie vor dem entsprechenden Regal stehen würde wie ich. Außerdem erscheint mir das im Zuge dieser sich wiederaufbauenden Zuneigung eher taktlos, so direkt auf diese Schiene zu gehen.

Könnt ihr mir, einerseits zu der Konstellation an sich, andererseits zu der Problematik weiter unten, vielleicht aus eurer eigenen Erfahrung damit Rat geben oder mir/uns eine hilfreiche Seite, Adresse oder so nennen?

Danke!
Beste Grüße
Thomas

der Alte
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Re: Beziehung Rollifahrer/in - "Fußgänger/in"

Beitrag von der Alte » Mittwoch 17. Juli 2019, 11:23

Vieleicht mal der Rat eines alten Mannes (75):
Muss es denn gleich Sex zwischen euch sein?
Enge Umarmungen, nebeneinander liegen, streicheln und dabei noch liebe Worte sind doch auch erst einmal eine sehr schöne Möglichkeit, vertraulich miteinander umzugehen.
Lass es doch erst einmal zwischen euch wachsen, alles andere findet sich von ganz allein.
Toleranz heißt - die Fehler des anderen entschuldigen.
Takt heißt - sie nicht bemerken.

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