Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Welche Krankenhäuser oder Rehaeinrichtungen kannst Du empfehlen?
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JohnnySurfboard
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Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Beitrag von JohnnySurfboard » Montag 8. Juli 2019, 11:16

Hallo zusammen,

bin gerade am verzweiflen und benötige euren konstruktiven Input:

Mein Vater ist nach Sturz / schweres SHT / Schädelfraktur / Hirnblutung momentan in neurologischer Reha Phase B im Therapiezentrum Burgau.
Dort hat er gute Fortschritte gemacht, ich (selbst "vom Fach" mit Case-Management-Ausbilung) bescheinige ihm, auch ohne "rosa Brille" einen Barthel-Index von 55. Somit wäre er reif für die Phase C (in einer anderen Reha-Klinik, gibts in Burgau nicht).

Jetzt kommt das Problem: Die Ärzte / Therapeuten / Case-Managerin in Burgau beahuptet, er hätte nur einen Barthel-Index von 15, da er Dinge wie Essen, Laufen etc. zwar schon alle kann, aber sie nicht selbstständig initiiert. Somit könne man ihm in diesen Bereichen keine Punkte geben.
Ausserdem muss man noch 100 Punkte abziehen (nach FrühReha-Barthel-Index), da er eine Orientierungsstörung und Verhaltensstörung hat (das stimmt, ist aber milde und er ist gut führbahr und macht kooperativ bei den Therapien mit).

Aus Sicht von Burgau, und so sehen es auch die Reha-Kliniken die die Pahse C anbieten würden, hat er also -85 Punkte und kann nicht in die Phase C aufegnommen werden. Er soll nach Hause gehen oder in ein Heim - das ist die Idee der Spezialisten in Burgau.

Meine konkreten Frage: Darf nicht nur der reine Barthel - Index angewendet werden bei der Beurteilung für die Übernahme in die Phase C, gibt es dafür irgendwelche rechtlichen Grundlagen, einen Rechtsanspruch?

Ich finde es äußerst seltsam, dass von Patienten, die in die Phase C aufegnommen wenderden sollen, verlangt wird, sie sollen zum grössten teil selbstständig sein. Das widerspricht der Definition im Phasenmodell der neurologischen Reha, wird aber allerorts so gehandhabt, oft auch mit dem Verweis darauf, man könne es personell nicht leisten, Patienten mit Orientierungsstörung aufzunehmen.


Vielen Dank schon mal für Eure Meinungen!

Sinale
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Re: Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Beitrag von Sinale » Montag 8. Juli 2019, 12:40

Hallo,

zu den Orientierungsschwierigkeiten und des leichten Führenmüssens kann ich anmerken, dass es in Phase C tatsächlich notwendig ist, selbständig zu den Therapien zu gehen, respektive selbständig auf die Therapie vorbereitet zu sein, selbständig die Essenszeiten, die Struktur der Klinik beachten zu können. Was sich allerdings hier anböte, ist m. E. eine geriatrische Reha mit neurologischem Schwerpunkt. Nach Hause zu gehen, ist sicherlich keine Alternative. Das Problem jedoch ist, dass die derzeitige Rehaeinrichtung über die Weitervermittlung entscheidet. Evtl. kannst du eine geriatrische Rehaeinrichtung suchen, die ihn unter der Prämisse deiner realistischen Angaben aufnehmen würde.

Vgl. auch folgendes Thema:

viewtopic.php?f=16&t=95

Evtl. gibt es hier jedoch noch andere Ideen!
Viele Grüße
Sinale

ulik
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Re: Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Beitrag von ulik » Montag 8. Juli 2019, 14:32

Ich kenne es so, das Phase C auch einen kleinen Speiseraum auf Station hat und jeweils auch zum Essen geholt wird.

In Kreischa z.b. gibts für Phase C einen hol und bringedienst zu den Anwendungen. In Bad Klosterlausnitz haben es Pfllegehelfer und Praktikanten gemacht.

Ich kann dazu nichts weiter sagen, weil ich eigenständig zu den Therapien kam.

Leni Hupfer
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Re: Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Beitrag von Leni Hupfer » Montag 8. Juli 2019, 14:36

Hallo JohnnySurfboard,

eine meiner Angehörigen hat eine geriatrische Komplexbehandlung erhalten.Voraussetzung dafür sind u. a. das Alter (mindestens 70 Jahre wie bei der geriatrischen Reha) sowie eine Unmöglichkeit der Teilnahme an einer normalen Reha aufgrund der Einschränkungen. Die Entscheidung für oder gegen eine Komplexbehandlung liegt beim Krankenhausarzt. Eine Antragstellung beim Kostenträger ist im Gegensatz zur Reha nicht erforderlich.
Sonnige Grüße und einen guten Tag

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Re: Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Beitrag von limoncello » Montag 8. Juli 2019, 15:59

Also in Phase C werden die Personen auch zu den Anwendungen gebracht, aber wenn beaufsichtigungspflichtige orientierungsstörungen und verhaltensstörungen vorliegen wird das schwierig. Da diese Leute auch wieder weglaufen und nicht vor der therapie warten. Es kann niemand dauerhaft dabeistehenbleiben. Es muss schon eine gewisse selbstständigkeit oder verlässlichkeit vorliegen und vor allem die aussicht auf besserung.

Es zählt der Barthel Index aber man schaut um diesen beurteilen zu können, immer auch ob Frühreha Einschränkungen vorliegen. Wenn ihm eine beaufsichtigungspflichtige d.h schwere orientierungsstörung und verhaltensstörung bescheinigt wird dann muss vom Barthel -100 abgezogen werden und das ist dann der gesamtbarthel der für phase C herangezogen wird. Ist dieser dann unter 30/35 ist es nicht Phase C.

D.h selbst wenn der Barthel wie du sagst bei 55 liegt statt 15 ist er immer noch Gesamt bei -45 wenn man 100 abzieht statt bei -85.

Nur wenn du ihn nicht dauerhaft beaufsichtigen musst und er z.b wenn er verwirrt zwischen den räumen hin und herläuft und er dann alleine zum richtigen raum läuft wenn man ihm beschreibt wo er ist und er dann auch dort sitzen bleibt dann ist es was anderes und eher als leicht zu sehen. So leute haben wir hier in phase C auch. Oder das man ihm einen lageplan geben kann und es dann funzt. Es werden also schon leute mit orientierungsstörungen aufgenommen aber eben nur wenn diese leicht sind.

Selbst wenn er nur eins von beiden hätte z. B die verhaltensstörung dann würden nur -50 abgezogen aber selbst das reicht bei 55 nicht für C.

55 würde sozusagen nur reichen, wenn beides als leicht und nicht dauerhaft beaufsichtigungspflichtig (ohne eigen gefährdung) eingeschätzt wird, weil dann der frühreha barthel nicht greift...
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Re: Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Beitrag von limoncello » Montag 8. Juli 2019, 16:24

Wenn du ihm das Essen ins Zimmer stellst und nichts weiter sagst, steht er dann auf setzt sich hin und isst? Weil volle Punktzahl gibt es nur wenn das so ist. Selbst wenn er mit gabel usw essen kann, man ihm aber sagen muss er soll essen, dann ist das nicht selbstständig sondern mit Hilfe.

Nur so als Beispiel wie das anzuwenden ist
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Re: Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Beitrag von Sinale » Montag 8. Juli 2019, 17:09

Leni Hupfer hat geschrieben:
Montag 8. Juli 2019, 14:36
Hallo JohnnySurfboard,

eine meiner Angehörigen hat eine geriatrische Komplexbehandlung erhalten.Voraussetzung dafür sind u. a. das Alter (mindestens 70 Jahre wie bei der geriatrischen Reha) sowie eine Unmöglichkeit der Teilnahme an einer normalen Reha aufgrund der Einschränkungen. Die Entscheidung für oder gegen eine Komplexbehandlung liegt beim Krankenhausarzt. Eine Antragstellung beim Kostenträger ist im Gegensatz zur Reha nicht erforderlich.
Hallo Leni,

aus meiner Erfahrung heraus, ist eine geriatrische Reha auch früher möglich, wenn dies ärztlich befürwortet wird.
Viele Grüße
Sinale

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Re: Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Beitrag von JohnnySurfboard » Montag 8. Juli 2019, 17:20

Guten Abend zusammen, vielen Dank für die zahlreichen Antworten!

@limoncello: Ja, mit seiner Selbstständigkeit ist es grenzwertig. Ob er selber aufstehen und Essen würde weiss ich nicht, müsste man ausprobieren.
Deine EInschätzungen zum Barthel-Index kann ich nachvollziehen. Wie dieser gehandhabt wird, hätte man uns ja mal exakt in seiner jetzigen Therapieeinrichtung erklären können, das hätte vielleicht einige Missverständnisse vermieden. Ein lapidares "Ihr vater schafft das nicht" ist halt recht wenig Information, auch auf Nachfrage kam da nicht viel mehr. Meine Case-Management-Erfahrung beschränkt sich auf Kinder, ich hatte den Barthel daher nicht so exakt / streng angewendet, das stimmt.

@Leni: geriatrische Komplexbehandlung wäre ja eine abrechenbare OPS im Rahmen eines stationären Aufenthalts. Guter gedanke, aber ich denke sein stationäres Potential ist ausgeschöpft.

@ulik & sinale: Klar kommt es auch ein Stückweit immer auf die Einrictuing an. Zum Teil kann auch eine Begleitperson aufgenoimmen werden. Da bin ich aber auch gescheitert - entweder war es in den Reha - Einrichtungen nicht möglich, eine Begleitperson mitaufzunehmen, oder die Kasse meines Vaters hatte keinen Vertrag mit der Rehaeinrichtung. Mühsam.....

@Alle: Da das Therapiezentrum Burgau massiv auf Entlassung drängt, werde ich Ihm wohl eine Betreuung zu Hause basteln, mit Tagespflege und ambulanter Physiotherapie. Zum Glück hat er eine Lebensgefährtin, die Ihn zeitweise betreuen kann. Denke das sollte funktionieren.

Nochmals Danke an alle!

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Re: Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Beitrag von JohnnySurfboard » Montag 8. Juli 2019, 17:22

Sinale hat geschrieben:
Montag 8. Juli 2019, 17:09
Leni Hupfer hat geschrieben:
Montag 8. Juli 2019, 14:36
Hallo JohnnySurfboard,

eine meiner Angehörigen hat eine geriatrische Komplexbehandlung erhalten.Voraussetzung dafür sind u. a. das Alter (mindestens 70 Jahre wie bei der geriatrischen Reha) sowie eine Unmöglichkeit der Teilnahme an einer normalen Reha aufgrund der Einschränkungen. Die Entscheidung für oder gegen eine Komplexbehandlung liegt beim Krankenhausarzt. Eine Antragstellung beim Kostenträger ist im Gegensatz zur Reha nicht erforderlich.
Hallo Leni,

aus meiner Erfahrung heraus, ist eine geriatrische Reha auch früher möglich, wenn dies ärztlich befürwortet wird.
Zur geriatrischen Reha meinte die Case-Managerin, dafür bräuchte er noch mehr Barthel-Punkte, das schafft er erst recht nicht.

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Re: Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Beitrag von limoncello » Montag 8. Juli 2019, 17:40

Wie gesagt es gibt personen die sitzen vorm essen und essen nicht und würden verhungern, wenn man ihnen aber die gabel in die hand drückt essen sie. Aber das anreichen ist auch mit hilfe ....

So ist das bei allen punkten....
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Re: Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Beitrag von Sinale » Montag 8. Juli 2019, 18:54

JohnnySurfboard hat geschrieben:
Montag 8. Juli 2019, 17:22
Sinale hat geschrieben:
Montag 8. Juli 2019, 17:09
Leni Hupfer hat geschrieben:
Montag 8. Juli 2019, 14:36
Hallo JohnnySurfboard,

eine meiner Angehörigen hat eine geriatrische Komplexbehandlung erhalten.Voraussetzung dafür sind u. a. das Alter (mindestens 70 Jahre wie bei der geriatrischen Reha) sowie eine Unmöglichkeit der Teilnahme an einer normalen Reha aufgrund der Einschränkungen. Die Entscheidung für oder gegen eine Komplexbehandlung liegt beim Krankenhausarzt. Eine Antragstellung beim Kostenträger ist im Gegensatz zur Reha nicht erforderlich.
Hallo Leni,

aus meiner Erfahrung heraus, ist eine geriatrische Reha auch früher möglich, wenn dies ärztlich befürwortet wird.
Zur geriatrischen Reha meinte die Case-Managerin, dafür bräuchte er noch mehr Barthel-Punkte, das schafft er erst recht nicht.
Hallo,

dies deckt sich nicht mit meinen Erfahrungen. Im Übrigen auch nicht mit der Aussage von Leni, nach der keine Antragstellung beim Kostenträger benötigt wird. Mit dem Barthel-Index wird auch gearbeitet, da der Kostenträger bei Ablehnungen einer Reha z. T. auch mit dem Barthel-Index argumentiert. Wenn kein Kostenübernahmeantrag gestellt werden muss, kann der Kostenträger nicht aufgrund des Barthel-Index ablehnen. Ich würde mich an deiner Stelle nochmal ausführlich mit dem Thema geriatrische Reha auseinandersetzen - evtl. auch über den Hausarzt o. ä,, bevor ich mich bereit erklären würde, ihn nach Hause zu holen. Denn gerade der Bereich Orientierungsschwäche und Verhaltensstörung lässt sich zu Hause nur schwer managen. Hier überschätzen sich Angehörige oft. Es ist gut möglich, dass hier durch einen weiteren Aufenthalt noch mehr erreicht werden kann.

Alles Gute Euch!
Viele Grüße
Sinale

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Re: Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Beitrag von Leni Hupfer » Montag 8. Juli 2019, 19:25

Hallo,

um Missverständnisse zu vermeiden. In meinem Beitrag beziehe ich mich auf die geriatrische Komplexbehandlung. Diese ist explizit für Patienten gedacht, für die eine Reha nicht in Frage kommt. Die Entscheidung wird vom Krankenhaus getroffen und nicht beim Kostenträger beantragt.

Beispiel im Link.

https://www.lukas-gronau.de/geriatrie/l ... dlung.html
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Re: Hilfe zu Neuro-Reha Phase C

Beitrag von limoncello » Montag 8. Juli 2019, 20:00

Um missverständnisse zu vermeiden, geriatrische reha und geriatrische komplexbehandlung sind zwei paar schuhe ;-)
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