Batec Electric 2 Adaptivbike/Handbike Testbericht

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hifibernd
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Batec Electric 2 Adaptivbike/Handbike Testbericht

Beitrag von hifibernd » Sonntag 8. September 2019, 01:25

Hallo allerseits

Seit einiger Zeit darf ich das Batec Electric 2 Adaptivbike nutzen. Vorerst als Vorführmodell meines Händlers - bis ich dann mein eigenes habe - bzw. es vom Kostenträger bewilligt wurde.

Gerne möchte ich hier einen kleinen Testbericht veröffentlichen. Zuvor hatte ich auch kurz den vergleichbaren Alber e-Pilot getestet bzw. testen wollen. Warum das keine gute Erfahrung war, habe ich bereits als Antwort zu jenem Testbericht hier gepostet: viewtopic.php?f=15&t=204&p=8232#p8232

Verarbeitung und Optik
Der Batec ist sehr hochwertig. Der Lenker bietet einen guten Griff, die Knöpfe lassen sich tadellos und leicht bedienen. Die Bremsen sind leichtgängig. Das Display mit Fahrradcomputer und LEDs für die gewählten Einstellungen (Licht, Fahrstufen, Rückgang, Akku-Warnung) ist gut ablesbar und hat einen USB-Ladeport. Einzig der Entriegelungshebel zum Auskoppeln braucht deutlich Kraft. Da mir diese Kraft fehlt, nutze ich jeweils ein etwa 15cm langes Rohr dass ich über den Hebel stecke: Aufgrund der Hebelverlängerung klappt es. Designtechnisch geht der Batec einen ganz anderen Weg, als der Alber e-Pilot. Er zeigt mehr von der Technik, was sehr reizvoll ist :perfekt: Das Antriebsrad ist mit seinen 18" auch grösser als jenes vom Alber e-Pilot und es hat einen Ultra-Grip Mountainbike-Reifen.

Fahrleistung
Der Batec beschleunigt bis 25km/h - ohne App-Aufpreis wie beim Alber, der sowieso nur bis 20km/h beschleunigt. Dank der besseren Bereifung, dem grösseren Rad, den standardmässig angebrachten Zusatzgewichten an beiden Seiten des Rades (jeweils ca. 2kg) - beschleunigt der Batec deutlich besser als der Alber e-Pilot, dem es einfach an Traktion fehlt. Auch die Bremsen greifen - zwangsläufig - besser: Eine Vollbremsung zieht den Oberkörper nach vorne, wie man es vom Auto kennt :D aber ohne dass es gefährlich wird.

Der Batec bietet auch die Möglichkeit beim Akku noch ein 4-5kg Gewicht anzuhängen (für noch bessere Traktion). Den Preis für dieses Zusatzgewicht finde ich aber überzogen. In die grosszügige Tasche (in Form eines Rucksacks), die vor dem Akku hängt, kann man als günstige Traktionsverbesserung auch ein Paar kompakte Hanteln hineinlegen, was ich gemacht habe. Man spürt den Unterschied deutlich. Aber auch ohne diese Massnahme, kommt der Batec problemlos aus einer Tiefgarage hinauf. Bei grösseren Steigungen macht es Sinn, das Gewicht nach vorne zu verlagern und auf jeden Fall nicht anzuhalten. Im Zweifelsfalle probiert man entsprechende Steigungen zuvor mit einer Begleitperson. Dies ist aber kein Nachteil des Batec, sondern bei Adaptivbikes ganz normal (das Hauptgewicht ist nun mal hinten im Rollstuhl und nicht vorne beim Antrieb). Hier haben klassische Zuggerärte wie ein Swiss-Trac generell einen grossen Vorteil, da sie nun mal wesentlich schwerer sind (das ist in meinen Augen dann allerdings auch der einzige Vorteil eines Swiss-Trac).

Mit oder ohne Zusatzgewichte schafft der Batec Electric 2 auf jeden Fall Steigungen, vor denen der Alber e-Pilot kapitulieren muss.

An- und abkoppeln
Das An- und Abkoppeln geht nach ein bisschen Übung auch mit wenig Kraft ganz gut. Wobei ich in meinem Fall jeweils den Rückgang des Batecs zu Hilfe nehme. Beim Ankoppeln muss man zumindest ein bisschen Schwung nach hinten geben können, damit der Rollstuhl leicht kippt. Genau in jenem Moment gibt man (im Rückgang) Gas und der Batec erledigt den Rest.

Beim Abkoppeln benötige ich - wie schon erwähnt - ein kleines Rohr zur Hebelverlängerung. Damit wird ein Federkontakt gelöst und das Gespann "geht" nach unten. D.h. der Rollstuhl gelangt aus der gekippten Position mit den Vorderrädern wieder auf den Boden.

Im direkten Vergleich ist der Alber e-Pilot etwas leichter ein- und auszukoppeln. Er ist auch für sich alleine leichter zu manövrieren. Allerdings liegt das an seiner Gewichtsverteilung und beim Fahren hat er dadurch eben deutliche Traktionsdefizite im Vergleich zum Batec.

Fahrgefühl
Das Fahren ist sehr einfach. Man kann drei Geschwindigkeitsstufen auswählen. Dazu gibt es einen Rückgang. Die Dosierung mit dem Gasdrehgriff geht nach etwas Übung sehr einfach. Das Display ist ein Fahrrad-Computer mit den üblichen Funktionen. Man kann mit der Maschine ganz gemächlich fahren, aber auch durchaus brachial beschleunigen... Letzters ist nur bei wirklich guten Strassen sinnvoll, denn während der Mountainbike-Reifen gut federt, spürt man beim Rollstuhl und seinen normalen Reifen jeden Schlag sehr deutlich.

Der Lenker ist etwas weit weg vom Fahrer - das Problem habe ich beim Alber e-Pilot auch festgestellt. Seitens Batec folgt hier aber demnächst eine weitere Entwicklung, damit der Lenker versetzt werden kann. So ähnlich wie die Lenker bei einem Fahrrad nach vorne versetzt werden - nur hier eben nach hinten zum Rollstuhl hin.

Wie beim Alber e-Pilot bremst auch der Batec Electric 2 nicht selbstständig ab, sondern man muss selber bremsen. Wie schon erwähnt, bieten die einfach zu bedienenden Bremsen (180mm Avid BB5 doppelte mechanische Scheibenbremse) die nötige Sicherheit. So liegt es natürlich auch in der eigenen Verantwortung mit welchem Tempo man sich in eine Kurve begibt. Wie bei anderen Adaptivbikes auch muss man immer daran denken, dass man als Dreirad unterwegs ist und somit grundsätzlich bei übertriebenem Tempo in Kurven oder zu schnellem Überfahren von Absätzen ein Kipprisiko in Kauf nimmt. Spass auf der Geraden und Vernunft in Kurven und bei Absätzen, lautet die Devise :beer:

Reichweite und Laden
Batec gibt eine Reichweite von 40km bei einer 75kg Person an - unter Verwendung des stärksten Akkus. Der Reiseakku bietet 280Wh und der stärkere Akku 522Wh. Bei meinen 45kg Gewicht (wobei das Gewicht diesbezüglich eher weniger relevant ist) komme ich locker auf bis zu 55km. Geht der Akku zur Neige, reduziert sich rechtzeitig die Geschwindigkeit. Allerdings auch bei 30% Akku noch über 20km/h drin. Laden kann man direkt beim Batec oder man entriegelt den Akku und nimmt diesen mit in die Wohnung. Der Akku wiegt etwa 5kg und kann sehr einfach aus seinem Schlitten gezogen werden.

Flexibilität
Wie schon in meiner Reaktion auf den Testbericht des Alber e-Pilot erwähnt, bietet der Batec weitaus mehr Einstellmöglichkeiten und ist mit mehr Rollstühlen kompatibel. Es gibt zudem einen Lenker für Tetraplegiker sowie einen weiteren Lenker für Hemiplegiker. Ausserdem werden bei Bedarf Sonderlösungen angefertigt.

Rechtliches
Ein Vorführen des Gespanns beim Strassenverkehrsamt ist zumindest in der Schweiz nicht notwendig. In Deutschland scheint die Sache ja etwas komplizierter zu sein - da kenne ich die Details nicht. Klar ist, dass man auch in der Schweiz mit dem Gespann auf den Gehsteig darf, dort dann allerdings mit maximal 6km/h (evtl. 10km/h) fahren darf. Ansonsten muss man auf den Radweg.

Die Firma Batec
Batec ist in Barcelona angesiedelt. Die Firma baut verschiedene Arten von Adaptivbikes, auch manuelle sowie hybride Varianten. Der Gründer ist selber Tetraplegiker und die Firma beschäftigt körperbehinderte Menschen auch in leitenden Positionen. Das finde ich sehr sympathisch.

So, das wars soweit. Ich hoffe, der Testbericht war aufschlussreich.

Gruss
Bernd
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Re: Batec Electric 2 Adaptivbike/Handbike Testbericht

Beitrag von hifibernd » Sonntag 8. September 2019, 10:39

Hallo allerseits

Jetzt wollte ich noch eine Ergänzung anbringen und ein paar Grammatikfehler korrigieren, aber leider kann ich den Beitrag nicht mehr bearbeiten :pfeif:

Daher hier noch meine Ergänzungen:
- Bordsteinkanten sind für den Batec kein Problem (bis zu einer gewissen Höhe)
- Meine bislang höchste gefahrene Geschwindigkeit beträgt 33km/h :o bergab auf einer guten Strasse :top: Natürlich trage ich einen Fahrradhelm ;)
- Der Batec macht so viel Spass, dass ich innert vier Tagen 125km damit zurückgelegt habe :perfekt:
- Den Link zu Batec kann ich leider nicht posten. Sucht auf Google nach "batec mobility", dann findet ihr die Website.

Gruss
Bernd

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